Shell Game – Erlebnisbericht und Impressionen

von Carlo de Vos
Foto: Ana Kpok

Als intergalaktische/r Tourist*in hat man es schon nicht leicht. Gerade ist man noch auf einer Kreuzfahrt durch das All und von einem Moment auf den anderen muss das Raumschiff auf dem Mysteriösen Planeten „Muschel 4“ notlanden.

In dieser Ausganssituation befinden sich die Teilnehmer*innen in Shell Game – Lost in Paranoialand.

Doch fangen wir von vorne an:  Ich wusste vor Shell Game gar nichts über das mir bevorstehende Erlebnis bis auf den Titel. Entsprechend aufgeregt war ich auch, als wir in den Vorraum traten und jede*em von uns Kopfhörer und ein Zettel gereicht wurden mit der Bitte, die Botschaft auf dem Zettel keiner*em anderen mitzuteilen: sehr spannend.

„Du fühlst, ihr seid nicht alleine auf dem Planeten, überzeuge die Anderen davon“.  Um ehrlich zu sein, hat mich diese Aufgabe zu dem Zeitpunkt überfordert, ich fragte mich wie wir uns in diesem Spiel einbringen sollen, was wird von uns verlangt? Viel Zeit darüber nachzudenken hatte ich jedoch nicht: nicht lange nachdem uns die Kopfhörer und die Zettel gereicht wurden, ging es auch schon los.

In dem Vorraum startete ein Film der uns erklärte, dass wir Tourist*innen auf einer intergalaktischen Kreuzfahrt sind und wir uns gerade auf den Weg zu einem neuen Planeten machen.  Doch plötzlich ertönte eine Warnmeldung:  wir müssen auf einem nahegelegenen Planeten notlanden. Nach dieser Einführung wurde vor uns die Tür zu dem Planeten geöffnet. Wir traten in einen großen Raum voller Stofffetzten die von der Decke hingen, pilzartiger Bälle im Raum und einem Roboter in der Mitte. Doch wir waren zum Glück nicht alleine auf diesem Planeten gestrandet, unser Reiseführer, ein Android, begleitete uns und erklärte die nächsten Schritte, um unser Überleben zu sichern, bis Hilfe kommt, um uns von hier abzuholen.

Die ersten Schritte gestrandet auf einem fremden Planeten: aufteilen und Aufgaben verteilen. Es wurden zum Beispiel Sicherheitsbeauftragte und Hinweisbeauftragte gewählt, die jeweils ihre eigenen Aufgaben bekamen.  Wir wurden anschließend in eine Schlafgruppe und eine Erkundungsgruppe eingeteilt. Während die Schlafgruppe in den futuristisch aussehenden Stühlen in der Ecke Platz nahmen, um sich auszuruhen und „entspannte“ Meditationsmusik mit gelegentlichen Störungen zu hören, die implizierten, dass dieser schöne Planet und der hilfreiche Android vielleicht nicht so sind wie sie scheinen, versuchte die Erkundungsgruppe dem Geheimnis des Planeten auf die Spur zu kommen und Hilfe zu rufen. Dabei wurde alle paar Minuten gewechselt, so konnten beide Gruppen jeweils entspannen und den kryptischen Nachrichten lauschen und den Raum erkunden. Nach ein paar Zyklen konnten sich auch beide Gruppen untereinander  austauschen.

Mir ist dabei vor allem aufgefallen, wie die zwei Gruppen unterschiedlich auf die Aufgaben reagierten. Es wurden bei meiner Gruppe beispielsweise nach einiger Zeit die Umrisse eines Körpers auf den Boden projiziert, wie man es aus Krimiserien kennt. Meine Gruppe, mich eingeschlossen, war sichtlich ratlos, was man denn damit machen müsste. Die andere Gruppe hingegen, hat nach einiger Zeit versucht, sich in die Umrisse zu legen um so einen neuen Hinweis zu bekommen. Es gab einige solcher Rätsel die alle zum Ziel hatten, mehr über den Planteten zu erfahren.

Der Roboter in der Mitte des Raumes hatte dabei die Funktion, ähnlich wie der Android, dabei zu helfen von dem Planeten zu entkommen. Wir haben dabei verschiedene Aufgaben bekommen, um in der Handlung fortzuschreiten.

Für mich war an dem Roboter in der Mitte vor allem interessant, dass er beinahe beiläufig erwähnte, man solle sich dort anmelden um Informationen zu bekommen. Zu mir sagte der Roboter, ich solle am Ende bei ihm bleiben: wieder eine kryptische Nachricht.

Und dann taucht auch noch ein Mann auf, der hektisch in den Raum kommt und auf Spanisch, aber durch seine Körpersprache für jeden verständlich, vermittelt, wir müssen die Tür durch die wir gekommen sind, verbarrikadieren.

Und auch zum Schluss bleibt es kryptisch, es kommt zu einer Aufteilung zwischen dem Androiden, dem Roboter und dem Mann: alle wollen in eine andere Richtung weitergehen, für wen man sich entscheidet, bleibt einem selbst überlassen. Ich und ein paar wenige bleiben bei dem Roboter, hauptsächlich weil er mir zuvor sagte, ich solle doch bei ihm bleiben und ich insgeheim hoffte, ich hätte damit eine Art geheimes Ende freigespielt. Ich steh also bei dem Roboter als ich plötzlich Musik und Gelächter aus den anderen Räumen höre, in die die anderen Gruppen gingen: habe ich das falsche Ende gewählt? Nein. Auch bei uns fliegt Konfetti und wir bekommen Getränke. Egal wie sich entschieden wurde, das Ende bleibt gleich: offen. Wir wissen nicht was mit uns in der Geschichte noch passiert, ob wir noch gerettet werden.  Wir werden einfach mit einer guten Stimmung entlassen.

Und was ist mit den Rollen, die wir am Anfang bekommen hatten? Sie waren Vorschläge, wie sich in die Geschichte eingebracht werden konnte. Ich habe ein paar Mal erwähnt, dass ich mich beobachtet fühle und ich glaube, dass wir nicht alleine sind, jedoch hätte man das auch nicht machen müssen. Es war ein Vorschlag, wie man dieses Spiel spielen kann, was ich persönlich sehr schön finde, da es nicht zur Handlung zwingt, es lädt ein, sich auf eine bestimmte Art in die Geschichte einzubringen.

Was ich am Ende wusste, war, dass ich unglaublich viel Spaß bei diesem Erlebnis hatte. Das Erkunden, Rätsel lösen und interagieren mit dem Raum hat sehr viel Spaß gemacht und ich glaube, durch die Rollenvorschläge hat sich das Erlebnis noch verbessert, da es dazu angeregt hat, in einer Rolle in der Geschichte zu handeln.  Aber auch die Freiheit, die in der Vorstellung geboten war, von den drei Enden bis zu den Interaktionsmöglichkeiten untereinander, haben einen sehr positiven Eindruck hinterlassen und ich glaube, dass es sich durchaus lohnt, diese Veranstaltung öfter zu besuchen.

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